[sz] Was für eine Chance! 180 Tage Pirat und jeden Tag geht es einen Schritt in die richtige Richtung. Mein Name ist Stefan Zemlicka, ich bin seit 180 Tagen Pirat, habe mich vorher nicht für die Politik interessiert und bin jetzt Direktkandidat für den Wahlkreis 66 in Essen. Diese Retrospektive zeigt die Arbeit und meinen Weg zu und bei den Piraten…

Ich bin 47 Jahre alt, komme aus dem Handwerk und habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Heute bin ich in einem großen Konzern beschäftigt und in der IT als Berater tätig. In der Vergangenheit habe ich mich nie intensiv für Politik interessiert. Zur Wahl bin ich immer gegangen, jedoch meist mit der Absicht das kleinere Übel zu wählen. Das Recht, in einer Demokratie zu wählen habe ich im Positiven immer als Pflicht gesehen. Im letzten Jahr habe ich mir das erste Mal Gedanken zu dem Thema Politik gemacht. Dies war dem Umstand geschuldet, dass es viele Themen gab, die ich in der Politik nicht verstanden habe und meines Erachtens nicht mit der nötigen Sorgfalt und Engagement versucht worden ist, dem Bürger, also auch mir, zu erklären. Diese Themen waren umfassen ein breites Spektrum. Sei es der Umstand, dass manche Menschen 40 Stunden in der Woche hart arbeiten und davon nicht leben können und im Gegensatz manche mehr Geld in einem Jahr verdienen als sie im Leben ausgeben können. Auch warum einige Kommunen so hoch verschuldet sind, große ansässige Firmen jedoch unterdurchschnittlich Gewerbesteuern zahlen. Die Liste der Dinge die ich nicht verstehe ist sehr lang und würde den Rahmen des Artikels sprengen. Allen ist jedoch eins gemeinsam:* Sehr oft wurden Entscheidungen die zu dem Ungleichgewicht geführt haben hinter verschlossenen Türen  getroffen, ohne sie dem Bürger zu erklären.* Dabei sehe ich gerade die Pflicht der Politik dem Bürger gegenüber, die Entscheidungen und die Prozesse die dazu geführt haben transparent darzustellen. In meinem Beruf gibt es auch immer wieder große  Herausforderungen. Diesen stellt man sich jedoch im Team, spricht darüber und findet gemeinsam eine Lösung.

Sehr positiv in Zusammenhang mit Transparenz fielen mir dann die Piraten auf. Mir ging es erst einmal weniger um Themen, sondern mehr um die Art des Umgangs miteinander. Schnell war ein Stammtisch in meiner Stadt gefunden, wobei ich mich schon gewundert hatte, wo sich eine politische Gruppe trifft: Die Essener Piraten haben ihren Stammtisch jeden Dienstag im Unperfekthaus (UPH). Öffentlich und für jeden zugänglich. Das ist bei den etablierten Parteien ganz anders. Dies bestätigte nur die Darstellung nach außen, dass die Piratenpartei eine Mitmachpartei ist.

Nach 3 Dienstagen wurde mir schnell klar, wenn Politik, dann nur mit dieser Partei. Alles wird öffentlich besprochen, Themen zusammen gelöst und jede Stimme zählt gleich viel. Das wurde mir erst richtig bewusst, als ich den ersten Landesparteitag (LPT) in Soest besuchte. Die Themen zu  dem LPT waren vorab im Internet verfügbar, wurden sogar über dieses Medium bearbeitet und auch ich konnte zu den Themen abstimmen. Dieses Gefühl war großartig und ich war ungemein beflügelt, an der Demokratie teilhaben zu dürfen.

Zu den wöchentlichen Stammtischen werden zusätzlich auch andere Treffen angeboten. Diese sind bei den Piraten oft in BarCamps organisiert.  Einer dieser BarCamps war zu dem Thema OpenData. Ich war schon sehr überrasch, wie viele von der Piratenpartei unabhängige Leute an diesem Event teilnahmen. Alles in allem ein sehr interessanter Sonntag. Falls sich jetzt jemand wundert, warum ich mich den Sonntag über mit Politik beschäftige: Die Piratenpartei ist eine Mitmach Partei. Viele, die mitmachen haben jedoch auch wie ich selbst einen Beruf. Daher fokussiert sich die Arbeit der Piraten im Gegensatz zu den etablierten Parteien auf abends oder auf das Wochenende.

14.03.2012, und plötzlich kam die Auflösung des NRW Landtages und  damit zur Neuwahl innerhalb von 60 Tagen. Das veränderte alles und auch nichts. Was ich in der Vergangenheit mehrfach feststellen konnte,  war die Uneigennützigkeit der einzelnen Mitglieder mit dem festen Willen die Zukunft positiv zu gestalten. Es wurde nicht um Pöstchen geschachert oder Pläne geschmiedet. Jeder gibt alles, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

In Essen wurde darüber gesprochen, wer Direktkandidat werden möchte und dann in einer Kreismitgliederversammlung darüber abgestimmt. Zum Zeitpunkt der Direktkandidatenwahl hat keiner der Kandidaten es für möglich gehalten, dass ein Direktkandidat der Piraten dank eines Direktmandats in den Landtag gewählt wird, sondern nur dazu dient, der Piratenpartei in dem Wahlkreis ein Gesicht zu geben. Uns war jedoch extrem wichtig, dem Bürger zu zeigen, dass wir da sind. Dies konnten wir dann auch auf den nachfolgenden Infoständen sehen (Termine entnehmen sie bitte hier). Wir bekommen bis jetzt fast nur Zustimmung der Bürger mit dem Themenschwerpunkt Transparenz. Oft wurden wir auch auf ein fehlendes  Parteiprogram angesprochen.  Dabei ist das von 2010 leicht zu finden (hier). Das 2012 Programm wird Basisdemokratisch am 14.4.2012 und 15.4.2012 beschlossen.

Ich stehe nicht als Listenkandidat zur Verfügung da ich mich eher auf kommunaler Ebene und der EU sehe. Gerade die EU und deren Prozesse und Entscheidungen müssen dem Bürger nahe gebracht werden. Es wäre vermessen zu sagen, dass ich zu politischen Themen mehr zu sagen habe als ein Berufspolitiker, der diese Arbeit schon Jahrzehnte macht. Allerdings werde ich diese Arbeit auf jeden Fall anders machen: Transparent jedem gegenüber, basisdemokratisch und den Bürger immer im Fokus meiner Entscheidung.

Berufsbedingt  habe ich eine gewisse Affinität zur IT und dem Internet. Das Medium Internet ist gleichzeitig Fluch und Segen. Informationen stehen jederzeit und überall zur Verfügung. Manchmal ist es schwer die richtige Information zu einem Thema zu finden und passend zu bewerten. Alles in allem jedoch eine sehr schnelle und  einfache Art zu kommunizieren.  Bürger, die nicht so einen Bezug dazu haben sind natürlich auch gern bei uns gesehen. Wir sind eine Mitmachpartei, unabhängig, ob man sich mit dem Internet auskennt oder nicht. Die Themenvielfalt der Partei macht gerade unsere Stärke aus.

Und was bringt die Zukunft? Spätestens am 13 Mai werden wir sehen, wie der Bürger entschieden hat. Ich habe mich unabhängig davon schon lange für die Piraten entschieden. Soviel Zusammenhalt, Uneigennützigkeit und der Wille zum Ändern habe ich noch nie gesehen. Und die Ergebnisse beflügeln.

Klarmachen zum Ändern!