Vor drei oder vier Wochen bekamen wir eine Anfrage vom WDR, ob wir nicht vielleicht zu einem Interview kommen wollen würden. Es sollten explizit Essener Piraten sein und das Thema sollte Lokalpolitik sein. Wir haben darüber diskutiert, denn so einfach ist unsere Situation als Piraten nicht. Während die anderen Parteien, die bereits im Rat sitzen, sehr einfach an alle möglichen Daten herankommen und dazu noch das Privileg haben Referenten zu haben, die ihnen Themen aufarbeiten können, haben die Piraten bisher nur einen Bruchteil der Informationen und das auch nicht als Fraktion sondern als einzelne Personen, die lange darum kämpfen mussten.

Es ist also im Vorfeld schon klar, dass die Piraten in Essen einfach nicht auf jedes Thema eingehen können.

Damit stellte sich dann auch die Frage, in wie weit es überhaupt notwendig oder wichtig ist im WDR aufzutreten.

Klar der WDR ist Presse und mit der Presse sollte man sich gut stellen, aber die Frage ist doch, wie wichtig ist die Presse wirklich für uns?

Wir sprachen an, dass die Piraten ja eigentlich ganz andere Wege für ihre Informationen haben, die abseits der Presse wunderbar funktionieren. Schließlich haben wir diesen Wegen einen ganz großen Teil unseres jetzigen Erfolges zu verdanken.

Dennoch gab es wohl viele, vor allem der nicht ganz so Netzaffinen Piraten, die der Idee das die Presse vielleicht nur der zweit- oder dritt wichtigste Informationskanal der Piraten ist, sehr skeptisch gegenüber stehen.

Zu dieser Frage passt ein Erlebnis, welches meine Frau letzte Woche hatte. Am Samstag gab es ein Treffen einer Steuerungsgruppe eines Jugendprojektes. Außer meiner Frau waren noch 4 oder 5 Mädchen dort im Alter zwischen 13 und 16 Jahren. Alle mit Migrationshintergrund und aus eher konservativen Elternhaus.

Diese Mädchen beklagten sich darüber das sie noch nicht wählen dürfen, denn sie würden gerne die Piraten wählen. Diese seien schließlich die einzige Partei die wirklich etwas gegen ACTA unternehmen würde.

Die Mädchen schauen mit Sicherheit kein WDR und wenn sie deutsches Fernsehen konsumieren dann doch eher Sendungen wie Deutschland sucht den Superstar oder Topmodell.

Doch wenn es um die politische Meinungsbildung geht, scheinen sie eher Quellen zu vertrauen, die ihnen unabhängiger oder glaubwürdiger erscheinen.