Die Intention dieses Beitrages ist, die Aufmerksamkeit auf ein Thema zu lenken, dass aufgrund seiner Emotionalität in vielerlei Hinsicht kompliziert ist.

Es geht darum, dass im Zuge der Vorbereitungen für die Fußball-EM 2012 in der Ukraine die streunenden Hunde und Katzen in großer Zahl und auf unverantwortliche Weise getötet werden. Hierzu gibt es bereits eine breit angelegte Protestbewegung, getragen von Tierschutzvereinen wie dem Europäischen Tier- und Naturschutzverein,  auch in Kooperation mit Prominenten wie Nina Hagen, Maya von Hohenzollern oder  Vitali Klitschko, der seine kulturelle Nähe zur Ukraine einbringen und nutzbar mache konnte.

Ursprünglich auf die Problematik aufmerksam gemacht hatte ein Beitrag des ARD-Magazins „Brisant“ mit dem Titel „Tote Hunde für König Fußball“. Das ist er:

http://www.youtube.com/watch?v=gwBN69-esPs

Der Protest scheint auch erfolgreich zu sein, denn letzte Woche ließ die ukrainische Regierung verlauten, dass die Massentötung von Hunden nunmehr verboten sei  und stattdessen Tierheime zur Sterilisation eingerichtet werden sollten. Näheres hier:

http://diepresse.com/home/sport/fussball/710804/Fussball_UEFA-begruesst-Toetungsverbot-von-Hunden

Allerdings hat sich hier de facto gar nichts getan. Wie ukrainische Tierschützer berichten, werden nach wie vor im großen Stil Giftköder verteilt. Dieter Ernst, der Präsident des Europäischen Tier- und Naturschutzvereins, war  in der vergangenen Woche selbst mit einer Delegation in der Ukraine um dort Gespräche mit verantwortlichen Politikern zu führen und Hilfe bei der Umsetzung der neuen Maßgaben anzubieten. Diese Gespräche blieben leider größtenteils ergebnislos, ein aktives Eingreifen des ETN e.V. zur Unterstützung  ist offenbar nicht erwünscht. Die Einsicht in die Protokolle der Gespräche wurde mir bereits zugesagt. Hier das Treffen zwischen der ETN-Botschafterin und dem UEFA-Turnier-Direktor in Kiew.

http://www.etn-ev.de/news/meldungen/index.html

Also laut Augenzeugenberichten und etablierten Tierschutzorganisationen gehen die organisierten Massentötungen von verwilderten Haustieren in der Ukraine unbeirrt weiter, anders lautende Aussagen wie z.B. die vom Verein Tasso seien nicht richtig, so Ernst.

Diese Problematik weitet sich allerdings aus, wenn man hinzuzieht, dass gestern in Rumänien ein Gesetz verabschiedet worden ist, dass das Töten von herrenlosen Hunden legitimiert. Dies bestätigte mir telefonisch Dieter Ernst, welcher mir ebenso erklärte, dass dieser Ansatz keinesfalls zur Lösung des Problems beitragen könne. In der Tat haben Studien und Projekte, wie z.B. das in der nordrumänischen Stadt Orabea, bewiesen, dass durch eine konsequente Sterilisation der herrenlosen Hunde und Katzen, deren Anzahl  nachhaltig und massiv reduziert werden kann. Das wahllose und dazu noch grausame Töten von Hunden kann weder als erforderlich noch als geeignet eingestuft werden. Dies belegen Zahlen aus Gebieten, in denen seit Jahren tausende von Hunden verbrannt, vergiftet, oder erschossen werden und sich ihre Anzahl dennoch nicht reduziert. An dieser Stelle sei auch auf die mafiösen Strukturen der rumänischen Hundefänger-Lobby verwiesen, die maßgeblich das „Kastrationsgesetz“ in ein „Euthanasiegesetz“ umgestaltet hat. Diese Zusammenhänge werden unter Anderem auf den folgenden Webseiten von im Tierschutz engagierten Vereinen beleuchtet:

http://www.etn-ev.de/aktionen/rumaenien/euthanasie.html

http://www.pfotenhilfe-europa.eu/die_nackte_wahrheit.html

Nachdem ich mich nun mit dem Thema befasst habe möchte ich nun alle Interessierten dazu aufrufen, das ebenso zu tun und sich im besten Falle innerhalb der Partei in der Tierrecht-AG, oder auch außerhalb der Piraten in Vereinen wie dem ETN e.V. zu engagieren und die Protestbewegung gegen die Gewalt Tieren gegenüber zu unterstützen. Gerade zum Thema Ursachen und Erscheinungsformen, aber auch Alternativen gibt es noch viel zu erfahren.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Dieter Ernst ganz herzlich für ein informatives und ausführliches Gespräch bedanken und ich hoffe, dass sich die Piraten und der ETN e.V. in Zukunft sinnvoll unterstützen können.

Carsten Knorr